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Telepathie wissenschaftlich untersucht

(c) Birgit Brunner

Im Winter, wenn Wölfe in kleinen Rudeln Ieben, streifen Einzelgänger oft weit entfernt ihrer Blutsverwandten in den Tiefen der Wälder. Selbst wenn sie ihr Rudel wochenlang nicht gesehen haben und es in dieser Zeit vielleicht Hunderte von Kilometern in der Wildnis zurückgelegt hat, wissen sie zu jeder Tages- und Nachtzeit, wo es sich befindet. Auf direkten Weg finden sie immer zu ihm zurück. Nach Jahren der Beobachtung und Spurensuche kam der Naturforscher William Long zu dem Schluss, dass vordergründige Erklärungen für diese Fähigkeit ausscheiden - etwa dass Wölfe immer den gleichen Jagdwegen folgen oder der einzelne Wolf sich an Witterungsfährten hält oder sich am Heulen der anderen orientiert.

Es gibt ein stummes telepathisches Rufen.

Es gibt eine so innige telepathische Verbindung des Einzelgängers mit seinen RudelgenossInnen, dass er nicht nur weiß, wo sie sind, sondern im großen und ganzen auch, was sie tun.

 

Telepathische Erlebnisse kennen auch viele von uns aus ihrem Zusammensein mit ihren Tieren - die Katze wartet gerade dann am Parkplatz, wenn wir von der Arbeit - auch zu ungewohnter Zeit – heimkehren, Hunde kommen, wenn sie in Gedanken gerufen werden, ReiterInnen lenken nur durch den klaren Focus ihrer Gedanken das Pferd in die gewünschte Richtung.

Gibt es Telepathie, die Übertragung von Bildern, Gefühlen, Begriffen und Ideen jenseits der Sinne, bei Tieren? Gibt es eine Verbindung von Geist zu Geist unter Tieren bzw. zwischen Tier und Mensch? Lässt sich dies wissenschaftlich untermauern?

 

 In einem Seminar zur Hemi-Sync.Methode, an dem ich vor einigen Jahren teilnahm, erzählte Dr. Cheryl Williams, die Seminarleiterin, von einem erstaunlichen, rein zufälligen Ergebnis ihrer Forschungsarbeit.

 

 Dr. Williams hatte jahrelang im international anerkannten Monroeinstitut, Virginia, USA, gearbeitet, das die Wirkung von Klängen auf Gehirnwellen, Wahrnehmung und physische Vorgänge erforscht.

Nach unzähligen Experimenten wurde die Hemi-Sync.Methode entwickelt, die es ermöglicht, durch Hören bestimmter Klangmuster ganz gezielt Bewusstseinszustände wie tiefe Entspannung, Meditation, oder aber auch konzentrierte Wachheit zu erreichen.

So können durch ausgewählte Klangfrequenzen die erwünschten Zustände leicht und schnell erreicht werden, was in den Gehirnströmen an hand verschiedener Gehirnwellen ersichtlich wird

In vielen Jahren nahmen unzählige Versuchspersonen an Untersuchungen teil, wobei zur Messung der Gehirnströme Elektroden verwendet werden, die an der Kopfhaut angebracht sind, diese aber nicht angreifen – ein völlig schmerzfreies Verfahren.

Nun erzählte Dr. Williams von einer Testreihe, die mit Pferden durchgeführt wurde.

Auf einer Koppel des Monroeinstitutes wurden einer Gruppe von Pferden Klänge übertragen und die Auswirkungen auf ihre Gehirnaktivität überprüft. Tatsächlich entwickelten die Pferde beim Hören ganz bestimmte Gehirnwellen.

Etliche Kilometer vom Institut entfernt befanden sich weitere Pferde, für eine andere Versuchsreihe, die mit dem erwähnten Test nichts zu tun hatte.

Genau zu dem Zeitpunkt, an dem die Pferde im Monroeinstitut spezielle Gehirnwellen bildeten, zeigten die kilometerweit entfernten Pferde plötzlich, wie aus heiterem Himmel, genau dieselben Gehirnwellen.

Das sei ganz offensichtlich ein Ergebnis telepathischer Übertragung und nur so zu deuten, erklärte Dr. Williams.

 

Den telepathischen Phänomenen bei Tieren hat sich der weltbekannte Wissenschafter Dr. Rupert Sheldrake zugewandt. In seinem Buch „Der siebte Sinn der Tiere“ stellt Dr. Sheldrake die Ergebnisse und Beobachtungen seiner Forschungen zu telepathischen Fähigkeiten von Tieren vor.

 

"Tausende von Tierliebhabern und Amateurforschern haben mir aus aller Welt geschrieben. Sie erzählen, wie ihre Hunde, Katzen oder Pferde etwas zu wissen oder zu spüren scheinen, was sie nicht über die normalen fünf Sinne erfahren haben können. Wir haben in London mittlerweile ein riesiges Archiv. Berichte über Katzen, die den Hörer von der Gabel reißen und ins Telefon miauen - doch immer nur dann, wenn Herrchen oder Frauchen dran ist. Oder Hunde in freudiger Erwartung ihres Halters, lange vor dessen Ankunft - mit der sonst keiner gerechnet hatte. Es gibt Telepathie, und sie hängt mit den morphischen Feldern zusammen."

 

Tausende Berichte dokumentierte Dr. Sheldrake und sein Team. Erstaunliche Geschichten, die TierliebhaberInnen jedoch sehr vertraut sind. Andere jedoch sind selbst für Tierkenner überraschend.

„Wenn im Haus eines bekannten Professors an der University of California in Berkely das Telefon läutet, weiß seine Frau, schon bevor sie abnimmt, ob ihr Mann am anderen Ende der Leitung ist. Wieso? Whiskins, der hellgrau getigerte Kater der Familie, springt zum Telefon und greift mit der Pfote nach dem Hörer. ‘Viele Male gelingt es ihm, ihn von der Gabel zu heben, und dann hört mein Mann am anderen Ende deutlich ein freudiges Miauen’, erzählt sie. ‘Wenn jemand anderes anruft, kümmert sich Wiskins gar nicht darum.’"

 

Die akribische Dokumentation und Sammlung der vielen Fallgeschichten ist eine Säule der wissenschaftlichen Untersuchung.

In Fällen der Gedankenübertragung können jedoch die telepathische Einflüsse mit der Kommunikation über die anerkannten Sinneskanäle zusammenwirken. Daher braucht es formale, wissenschaftlich angelegte Experimente als zweite Säule der Untersuchung. Sie sollen die Wahrnehmung über die Sinnesorgane ausschließen.

So kann herausgefunden werden, ob tatsächlich Telepathie mit im Spiel ist.

Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist der Graupapagei Nkisi der New Yorker Künstlerin Aimeè Morgana. Aimeè hatte Nkisi einen Wortschatz von 700 Wörtern beigebracht, den er sinngemäß und selbst bei abstrakten Begriffen richtig verwendet. Nkisi spricht in ganzen, sinnvollen Sätzen.

In einem Vortrag in Wien 2013 erzählte Dr. Sheldrake von Nkisi und zeigte uns ZuhörerInnen ein beeindruckendes Video.

 

Unzählige Erlebnisse mit dem Papagei legten nahe, dass er über große telepathische Fähigkeiten verfügte und dass er Dinge sagte, die sich auf Aimeès Gedanken und Intuitionen bezogen.

 

Dr. Sheldrake untersuchte in wissenschaftlichen Tests Nkisis telepathische Sensibilität.

 

Aimeè und Nkisi befanden sich in voneinander getrennten Räumen in unterschiedlichen Stockwerken. Aimeè hatte geschlossene Umschläge mit ihr und dem Testleiter unbekannten Bildern vor sich. Sie öffnete je einen Umschlag und betrachtete das Bild zwei Minuten lang. Sowohl sie als auch der Papagei wurden währenddessen von synchron geschalteten Kameras gefilmt. Sah Aimeè nun beispielsweise ein Bild mit Blumen an, dann sagte Nkisi „Das ist ein Bild mit Blumen“, wenn sie ein Bild mit einem Handy vor Augen hatte, dann sagte er „Was machst’n am Telefon?“ und gab Geräusche von sich, als würde man wählen.

 

Nkisis Kommentare passten in mehr Fällen zu den Bildern, als hätte er nur munter drauf los geredet und zufällig das Passende gesagt. Seine Treffer waren statistisch gesehen weit über dem Zufallswert.

 

Bei Hunden wurde sehr oft die Fähigkeit des Vorauswissens beobachtet.

Der Rhodesian Ridgeback Kane erahnte die Rückkehr seiner Besitzerin Sarah, indem er sich vor dem Fenster auf die Hinterbeine stellte und seine Vorderpfoten auf einen Tisch legte, um hinauszusehen. So verhielt er sich bei den Tests in nur einem Prozent des Zeitraumes, in dem seine Besitzerin abwesend war, befand sie sich jedoch tatsächlich auf dem Heimweg, dann war er zu 26 Prozent der Zeit vor dem Fenster. Ein Ergebnis, das statistisch hoch signifikant ist.

 

Viele, mit Videofilmen dokumentierte Untersuchungen unter kontrollierten Bedingungen bestätigen, dass eine telepathische Kommunikation zwischen Tier und Mensch existiert.

 

Telepathie von Tier zu Tier, innerhalb der gleichen Art oder zwischen verschiedenen Arten, ist mit Hilfe von Experimenten weniger erforscht. Die Untersuchungen und viele Beobachtungen von Naturforschern aber bestärken die Vermutung, dass Tiere untereinander telepathisch kommunizieren.

 

In Tests mit Hunden beispielsweise wurden ein Boxerweibchen und ihr Sohn in getrennte Räume gebracht. Wurde der Boxerrüde in seinem Zimmer „bedroht“, dann duckte sich auch seine Mutter genau im gleichen Augenblick.

René Peoc’h verglich Kaninchenpaare aus dem gleichen Wurf, die im selben Käfig monatelang zusammengelebt hatten, mit Paaren, die isoliert voneinander in Einzelkäfigen gehalten wurden. Die Kaninchen wurden auf Anzeichen von Stress untersucht, indem der Blutstrom in ihren Ohren gemessen wurde – völlig schmerzfrei. Kam ein Kaninchen in Stress, wie es natürlich in seiner Umgebung passieren konnte, dann zeigte nur 3 Sekunden später auch das andere Kaninchen die gleiche Stressreaktion, obwohl es beim Test in einem gesonderten Raum untergebracht war. Die Vergleichspaare jedoch, die sich nicht kannten, wiesen keine solche telepathische Verbindung auf.

 

Der Pferdetrainer Harry Blake untersuchte Paare von Pferdebrüdern und -schwestern im Hinblick auf ihre telepathische Verbindung. In 119 Tests wurden die Paare außer Sicht- und Hörweite getrennt untergebracht. Wenn eine/r trainiert oder gefüttert wurde oder starke Zuwendung erhielt, dann reagierte das andere Pferd in 68% der Fälle im selben Moment. Bei Pferden, die sich nicht mochten, war das Ergebnis nur in einem von 15 Tests positiv. Offensichtlich kommunizieren Tiere, die einander nahe stehen, mehr über Telepathie.

 

Die konventionelle, mechanistisch orientierte Wissenschaft leugnet die Existenz von Telepathie, Sie ist mit ihren Mitteln nicht zu erklären, daher kann es sie auch nicht geben.

Dr. Sheldrake erklärt das Funktionieren von Telepathie mit Hilfe der morphischen Felder, Kraftfelder, die alles miteinander verbinden und formen: „In der Quantenphysik wird es als bewiesen angeschaut, dass zwei Photonen oder Partikel, die aus der gleichen Quelle stammen, verbunden bleiben, auch wenn sie Hunderte von Kilometern voneinander entfernt sind. Diese Tatsache der nichtlokalen Verbundenheit ist fundamental für die moderne Physik. Wenn Menschen und Tiere eng miteinander verbunden sind, sind sie Teil des gleichen Systems, der gleichen «morphischen Felder». Auch wenn sie räumlich getrennt sind, bleiben sie in enger Verbindung. So dass das Tier, mitunter auch der Mensch, fühlen kann, wenn eine Änderung beim andern eintritt, er zum Beispiel stirbt oder einen Unfall hat.“

Morphische Felder sind laut seiner These noch unerforschte Felder, die es neben Magnet-, Gravitations-, Quantenmateriefeldern gibt. Über sie sind wir miteinander, mit unserer Tieren, mit unserer Umwelt wie mit einem unsichtbaren elastischen Gummiband verbunden, das sich ausdehnt, wenn wir uns voneinander entfernen. In diese morphischen Felder werden ständig Informationen eingespeist, sodass ein immanentes Gedächtnis entsteht. Aus ihm können jederzeit und jederort über den Prozess der sogenannten „morphischen Resonanz“ die gespeicherten Informationen abgerufen werden.

Dr. Sheldrake verweist gerne auf das Beispiel englischer Meisen, die in kurzer Zeit gelernt haben, wie man die Aluminiumdeckel von Milchflaschen öffnet. Diese Erkenntnis breitete sich unter den Tieren aus, so dass auch Meisen auf weit entfernten Inseln Englands diese Fähigkeit besitzen. Morphische Felder“teilen“ die Informationen „mit“ bzw. sie fungieren als Kanal für telepathische Kommunikation.

 

Die evolutionäre Grundlage der Telepathie erkennt Dr. Sheldrake im sozialen Leben von Tiergruppen. Die morphischen Felder verbinden die einzelnen Mitglieder der Gruppe miteinander und ermöglichen Kommunikationsformen und Organisationsabläufe, wie sie mit den üblichen Sinnesorganen nicht möglich sind.

 

In Vogelschwärmen organisieren sich die Vögel in ihrem Flug blitzschnell - Richtungsänderungen verbreiten sich von einem einzigen Vogel ausgehend wellenförmig im Schwarm, in schnellerer Reaktionszeit, als es über die Sinne möglich ist.

Finden Wildvögel Futter, so dauert es nur kurz, bis sich weitere Vögel einfinden, die viel weiter entfernt waren, als dass sie die Information über Augen oder Gehör erhalten haben könnten.

Wölfe leben in Rudeln mit sehr differenzierten sozialen Abläufen. Wenn ein Rudel Wölfe auf der Jagd ist, lässt es die Jungen zurück und entfernt sich oft über viele Kilometer. Mit den normalen Sinnen können sie keine Verbindung aufrecht erhalten. Das kann nur auf telepathische Weise geschehen. So ist es kein Zufall, dass die Wölfe die kilometerweit entfernten Gruppenmitglieder wieder finden.

 

Wenn Tiere, die in Rudeln, Herden, Schwärmen leben, telepathisch kommunizieren und „kollektiv denken“, dann überleben sie viel besser und effizienter, was die biologische Sinnhaftigkeit der Entwicklung telepathischer Fähigkeiten erklärt.

Die Sicherheit von Jungtieren, die Flucht und der Schutz vor Feinden, das Finden von Futter, der Zusammenhalt und die Organisiation in der Gruppe sind mittels telepathischer Verbindung weitaus besser zu gewährleisten.

 

So ist in der Sicht Dr. Sheldrakes Telepathie keine paranormale, „übersinnliche“ Begabung, sondern eine natürliche Fähigkeit, die zu unserem biologischen Erbe gehört.

 

Das Forschungsgebiet über Telepathie ist noch sehr jung und wissenschaftliche Untersuchungen sind größtenteils Pionierarbeit. Am laufenden Forschungsprogramm von Dr. Shekdrake können interessierte TierhalterInnen und auch Menschen ohne Tiere teilnehmen. Berichte von telepathischen Erlebnissen mit Tieren, Umfragen zu ungewöhnlichem Wahrnehmungsvermögen der Tiere und einfach durchzuführende Experimente mit den eigenen Tieren sind ein wertvoller Beitrag zur Forschung.
Informationen und Adresse der Koordinierungsstelle erfahren Sie unter www.sheldrake.org

 

Rupert Sheldrake, geboren 1942, studierte Naturwissenschaften an der Universität von Cambridge und Philosophie an der Harvard University. Er promovierte in Biochemie in Cambridge, wo er als Direktor für Biochemie und Zellbiologie am Clare College tätig war. Er arbeitet als freier Wissenschafter in London.

 

Quellen:

" Der siebte Sinn der Tiere", Rupert Sheldrake (Scherzverlag)

"Der siebte Sinn der Menschen" Rupert Sheldrake (Scherzverlag)

www.hemi-sync.at

www.sheldrake.org